Mehr als nur ein Job: Arbeitsmarktintegration Geflüchteter

Wie ist die Qualität der Arbeit von Geflüchteten in Deutschland? Mit dieser Fragestellung hat sich Yuliya Kosyakova, wissenschaftliche Mit-arbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) Nürnberg, beschäftigt und eine Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung gemacht. Basierend auf einer Befragung von Geflüchteten analysiert die Autorin, in welchen Branchen Geflüchtete bisher Arbeit gefunden haben und wie diese Branchen und Berufsgruppen im Hinblick auf die Qualität der Beschäf-tigungsverhältnisse zu bewerten sind. Auch gibt sie Einblick, inwiefern Geflüchtete atypisch beschäftigt oder entsprechend ihrer Qualifikationen eingesetzt werden. Weitere Faktoren, die in ihre Gesamtbewertung ein-fließen, sind die individuelle Zufrie-denheit der geflüchteten Arbeitnehmer-/innen sowie ihre (wahrgenommene) Arbeitsplatzsicherheit.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten vor allem in drei Berufs-bereiche erfolgte: (1) in der Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung, (2) im Verkehrs- und Logistik-, Schutz- und Sicherheits-sektor sowie (3) in kaufmännischen Dienstleistungen und der Unter-nehmensorganisation.

Mehr als die Hälfte der Geflüchteten arbeitet in Berufsgruppen, die häufig durch geringere Ressourcen für Handlungs- und Gestaltungs-möglichkeiten, höhere körperliche Belastung, geringeres Einkommen, schlechtere Arbeitsbedingungen sowie schwache Aufstiegschancen gekennzeichnet sind.

In der Gesamtschau, so die Studie, liegt die Arbeitsqualität von Geflüchteten zwar im unteren Mittelfeld, erreicht aber das durchschnittliche Arbeitsqualitäts-niveau aller Beschäftigten in Deutschland.

Gleichzeitig wird aber deutlich, dass insbesondere ihr Verdienst auch vier Jahre nach Ankunft in Deutschland weit hinter dem Mittelwert der Gruppe aller Teil- und Vollzeit-beschäftigten liegt. Allerdings wird die eigenständige Alterssicherung oberhalb des Grundsicherungs-niveaus mit den derzeitigen durch-schnittlichen Bruttostundenlöhnen für die meisten Geflüchteten – analog zu anderen Erwerbstätigen im Niedriglohnbereich – nicht möglich sein.

Obwohl bereits erste positive Entwicklungen nicht nur in Bezug auf den Umfang, sondern auch die Qualität der Beschäftigung erkennbar sind, ist es klar, dass die faire Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ein langfristiges Ziel bleibt und eine Qualitätsperspektive erfordert.

Das BENN-Nachbarschaftsbüro möchte diesen Prozess in Britz unterstützen. Deshalb bieten wir regelmäßig für die Bewohner/-innen der Gemeinschaftsunterkunft Haarlemer Straße / Späthstr. Infoveranstaltungen mit verschiedenen Projektträgern und Unternehmen an, die zu Einstiegs-möglichkeiten in den Arbeitsmarkt beraten.

Die von der FES veröffentlichte Studie “Mehr als nur ein Job: Die qualitative Dimension der Integration in Arbeit von Geflüchteten in Deutschland” ist hier zu finden: http://library.fes.de/pdf-files/wiso/16333.pdf