3. BENN-Nachbarschaftsforum am 24. August: Geschichten im Gespräch

Es war ein Vormittag der Vielfalt: ca. 20 Nachbarinnen und Nachbarn kamen im Haus Britz zusammen, um einander Stadtteil-Geschichten zu erzählen. Herzlich und kontrovers, lustig und emotional waren die Gespräche über die Britzer Historie. Im Fokus standen die Lebensgeschichten und Erinnerungen der Teilnehmenden. Von den Großeltern (eine Teilnehmende war Britzerin der 3. Generation) bis zum aktuellen Erleben und Aufwachsen der Kinder spannte sich der Bogen.

Kindheitserinnerungen: Eine andere Welt

Eine Teilnehmerin zog im Grundschulalter aus dem Lichtenrade der 1960er Jahre nach Britz. An ihrer ersten Schule wurde die Druckschrift unterrichtet. An der Fritz-Karsen-Schule in Britz gab es dann aber die Schreibschrift – eine völlig neue Sprache. Ein neuer Klassenkamerad schrieb ihr einen Brief in Druckschrift – also in „ihrer Sprache“. Fortan gingen sie gemeinsam zur Schule.

Weniger als 20 Jahre davor war Britz weniger kinderfreundlich: Ein anderer Teilnehmer wohnte mit seinen Eltern zunächst in einer Bombenruine in der Buschkrugallee im Keller. Nachts mussten Kakerlaken gejagt werden. Ein Baum vor dem Haus wurde aus Brennholzmangel gefällt. Später baute der Vater das Haus selbst wieder auf und der Erzähler bewohnt es noch heute.

Zuwanderung und Integration: Wandel der Zeiten

Ein weiterer Teilnehmer berichtet vom Flüchtlingslager, das ebenfalls in der Nachkriegszeit im westlichen Britz stand. Ein Mitschüler, der dort wohnte, musste den Geruch der Chemikalien aus der Fabrik nebenan mit sich herumtragen. Außerdem erinnert sich der Erzähler an den „Mief“ der überfüllten Halle, in der viele Menschen dicht gedrängt leben mussten.

An dieser Stelle entwickelt sich eine Diskussion: was wurde in früheren Zeiten, zu denen viele Menschen zur gleichen Zeit neu nach Britz zogen, für ihr Ankommen getan? Besonders an die Zeit der sogenannten „Gastarbeiter“ erinnern sich viele Teilnehmer. Einer meint, hier hätte der Staat mehr tun müssen. Andere wenden ein, dass die Wirtschaft in der Pflicht gewesen sei, denn die Unternehmen hätten ja von der Arbeitskraft profitiert.

Auf anrührende Weise berichtet dann eine Teilnehmerin, deren eigener Großvater als Gastarbeiter nach Berlin kam und hat sein Leben lang hart gearbeitet hat, um seinen Kindern und Enkeln ein besseres Leben zu ermöglichen. Trotz aller Argumente über Integrationspolitik gibt es also auch immer die menschliche Seite und ganz persönliche Lebenswege.